SARS-CoV-2 Transmission über Raumlufttechnische Anlagen (RLT-Anlagen)?

Vorsorgemaßnahmen hinsichtlich der Raumlufttechnik im Anwendungsbereich der VDI 6022 (z.B. Bürobereich) zur Vermeidung einer Übertragung von Viren sind aktuell nach dem Stand der Technik nicht definiert. Daher sind diesbezügliche Maßnahmen wie die vorübergehende Außerbetriebnahme von Wärmerückgewinnung (wie z.B. Rotationswärmetauscher oder Abschalten eines Umluftbetriebes) nach dem Stand der Technik nicht vorgesehen.

Die mikrobiologischen Messungen gemäß VDI 6022 beinhalten keine Untersuchung auf Viren. Der Virennachweis ist grundsätzlich sehr aufwändig. Viren werden von Filtern der Klasse ISO ePM1 (Mindestanforderung an die Zuluftfilterklasse gemäß VDI 6022, Blatt 1 „Raumlufttechnik, Raumluftqualität – Hygieneanforderungen an raumlufttechnische Anlagen und Geräte (VDI-Lüftungsregeln)“) nur anteilig abgeschieden. Zur Beantwortung der Frage inwieweit Coronaviren (Virenfamilie der aktuellen SARS-CoV-2 Viren) nach einer RLT‑Passage noch infektiös sind, liegen derzeit keine ausreichenden Daten vor.

Für RLT-Anlagen lassen sich auch aus aktuellen Forschungsergebnissen u. E. noch keine Maßnahmen ableiten, da diese Ergebnisse einerseits noch abzusichern sind und andererseits weiterhin wesentliche offene Fragen hinsichtlich der Transmissionsrate über die Infektiosität von ggf. virusbelasteter Zuluft aus RLT-Anlagen bestehen.

Im Sinne der individuellen Infektionsprävention sind, im Einklang mit dem Robert Koch-Institut (RKI), auch u. E. insbesondere Maßnahmen bzgl. der Vermeidung einer Tröpfcheninfektion direkt von Mensch zu Mensch und einer indirekten Schmierinfektion zielführend.  Der VDI (Verein Deutscher Ingenieure e.V.) empfiehlt eine Lüftung mit möglichst hoher Außenluftrate. Der BTGA (Bundesindustrieverband Technische Gebäudeausrüstung e.V.), der Fachverband Gebäude-Klima e.V. und der RLT Herstellerverband haben in einer gemeinsamen Empfehlung ebenso darauf hingewiesen, dass Außenluftvolumenströme von RLT-Anlagen nicht reduziert werden sollten und eher Umluftanteile zugunsten der Außenluftanteile verringert werden sollten. Auch die Verlängerung der Betriebszeit der RLT-Anlage vor und nach der Raumnutzung ist empfehlenswert.

Bei der Fragestellung, inwieweit RLT-Abluft mit Umluftfunktion, RLT-Umluftanlagen und Sekundärluftgeräte zu einer Transmission von Viren (ggf. als infektiösem Virustiter) beitragen oder nicht sehen wir noch wesentlichen Forschungsbedarf.  Dennoch kann sicher ausgesagt werden, dass der Betrieb von RLT-Zentralanlagen mit 100% Außenluft und ggf. dem Abschalten einer evtl. Wärmerückgewinnung mit Rotationswärmetauschern einen Virustransfer als Rezirkulation über eine belastete Raumluft (Virusfreisetzung über infizierte Personen durch Tröpfchen/Aerosole) verhindert.

Unabhängig von der aktuellen Coronavirus Pandemie sollten Sie auf die regelmäßigen Intervalle der Hygieneinspektionen für die RLT-Anlagen achten und können uns bei Fragen dazu gerne ansprechen!

Das eine Transmission von Viren über RLT-Anlagen grundsätzlich bei entsprechender Viruslast nicht auszuschließen ist zeigt u. a. eine Forschungsarbeit aus 2009 zur „Analyse der Verbreitung aerogener Viren über Raumlufttechnische Anlagen“, welche die biotec GmbH zusammen mit dem Herz- und Diabeteszentrum Bad Oeynhausen durchgeführt hat.

Gerne können Sie die Zusendung des Abschlussberichts über unser Kontaktformular anfragen.